Wenn wir von der Abnahme einer Gitarre sprechen, müssen wir erst einmal unterscheiden ob es sich um eine akustische oder elektrische Gitarre handelt.
Akustische Gitarre
Zur Mikrofonierung einer akustischen Gitarre werden in erster Linie Kondensator-Mikrofone verwendet, typischerweise Kleinmembran. Durchaus reizvoll sind aber auch Großmembran-Mikrofone. Wird das Mikrofon direkt auf das Schallloch gerichtet, so klingt die Gitarre sehr basslastig.
Ebenfalls hat man durch die Handbewegung einen sich verändernden Klang. Deshalb muss bei einer Ausrichtung auf das Schallloch ein großzügiger Abstand eingehalten werden. Wandert das Mikrofon in Richtung Hals, so wird der Klang mehr und mehr obertonreicher und brillanter, auch die Griffgeräusche werden eher mit aufgenommen. Dies kann manchmal von Vorteil sein – meist jedoch ist dieser Effekt weniger erwünscht.
Wird das Mikrofon zwischen Schallloch und Steg platziert wird meist ein recht ausgewogener Klang eingefangen. Um der akustischen Gitarre mehr Leben einzuhauchen werden zwei Mikrofone verwendet. Eines wird in Richtung Korpus gerichtet, das zweite am Hals (klassischer Punkt am 12. Bund). Das Mikrofon am Korpus kann gerne ein Großmembran-Mikrofon sein, das den warmen Klang unterstützt. Je nach Raum-Akustik und Geschmack kann man dieses Mikrofon auch in einem Abstand von einem Meter oder mehr platzieren.
E-Gitarre
Auch wenn bei der E-Gitarre nicht die Gitarre an sich, sondern viel mehr der Speaker abgenommen wird, spricht man umgangssprachlich ebenfalls von der Gitarrenabnahme. Bevor man das Mikrofon an der „Box“ ausrichtet, sollte geklärt werden wo die einzelnen Lautsprecher sitzen. Oft sind zwei oder vier Lautsprecher in einer Box verbaut.
Das Mikrofon kann dann auf einem „Radius“ eines Speakers platziert werden. Wandert das Mikrofon weiter an den Rand des Speakers, so wird der Klang wärmer und indirekter. Wenn er in Richtung Mittelpunkt des Speakers kommt wird er hingegen brillanter, spitzer und direkter.
Je näher das Mikrofon an den Speaker heran geführt wird, desto bassbetonter wird der Klang, aufgrund des Nahbesprechungseffekts eines gerichteten Mikrofons. Wird dem entgegen etwas mehr Abstand zum Speaker gelassen bekommt der Klang mehr Raumanteil. Die Anforderungen an das Mikrofon ist der hohe Schalldruck. Deshalb werden hauptsächlich dynamische Mikrofone verwendet. Ein Klassiker ist das SM57. Ein Geheimtipp ist das SM27, das als Großmembran (Kondensator-) Mikrofon einen sehr warmen, dennoch obertonreichen Klang erzeugt.
| Insider Tipp: |
| Ein SM7B hinter der Box aufgestellt sorgt für einen extrem warmen Klang mit viel Raumanteil. Diese Platzierung wird gerne bei Jazz oder Blues angewendet – allerdings meist als Zusatzmikrofon neben einer „normalen“ Abnahme von vorne. Natürlich kann das SM7B auch vor dem Lautsprecher platziert weden. Auch hier wird ein sehr warmer Klang erzielt. |